Schon vor Jahrhunderten erkannte man die Qualitätsunterschiede der Weine, die in Bordeaux gehandelt wurden, an ihrem Preis. Die Bordeaux Weine Klassifizierung hatte das Ziel, die Weine nach ihrer Qualität in Gruppen zu ordnen.
Eine Klassifizierung ist das Zuordnen von Objekten zu Gruppen und sie betrifft in diesem Falle die qualitative Einstufung der wichtigsten Weingüter in Bordeaux. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die wichtigsten Weingüter in Bordeaux immer wieder klassifiziert, bis sich letztendlich die Bordeaux Weine Klassifizierung von 1855 durchsetzte - nicht etwa, weil sie besonders gut und zutreffend war, sondern weil Napoléon III sie im Auftrag des Staates veranlasste.
Dadurch erhielt sie den Charakter eines immerwährenden Dokuments: Obwohl es nicht beabsichtigt war konnte sich seither keine neue Bordeaux Weine Klassifizierung etablieren. Die Klassifizierung von 1855 sollte aber mit Vorsicht betrachtet werden: Die Einstufung eines Gutes ist immer abhängig von verschiedenen natürlichen und menschlichen Faktoren. Diese können über einen so langen Zeitraum natürlich nicht konstant bleiben, weshalb eine solche Einstufung nicht für immer gültig sein kann.
Die Bordeaux Weine Klassifizierung von 1855 hat alle bekannten natürlichen Faktoren beachtet und sich somit über die Zeit als bemerkenswert zuverlässig erwiesen. Gleichzeitig hat sie allerdings auch die menschlichen Faktoren aus dieser Zeit in die Bewertung mit einbezogen, was eine individuelle Überprüfung verlangt - die Umsetzung dieser ist aber bisher nicht als praktikabel angesehen. 61 Sorten wurden damals klassifiziert, davon drei als "premier cru classés" (Gewächse erster Klasse), nämlich Château Lafite, Château Latour, Château Margeaux und Château Haut Brion.
15 Sorten wurden als "deuxième cru classés", vierzehn als "troisièmes crus classés", elf als "quatrièmes crus classés" und 18 als "cinquièmes crus classés" eingestuft. Eine Änderung an dieser Klassifizierung wurde nur einmal vorgenommen, als der Château Mouton-Rothschild 1973 auf Beschluss des französischen Landwirtschaftsministers hin in die Gruppe der "premiers cru classés" angehoben wurde.
1855 wurden auch die edelsüßen Weißweine aus den Gemeinden Barsac und Sauternes klassifiziert: der Château d'Yquem wurde dabei sogar als "premier cru supérieur classé" eingestuft, elf als "premiers crus classés" und 15 als "deuxièmes crus classés". Diese Einstufung wurde ebenfalls bis heute unverändert beibehalten.
21. Juni 2010